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Kompliziert vs. Komplex

„Wenn mein Leben doch nur nicht so kompliziert wäre“. So oder so ähnlich hören sich Zeitgenossen da draussen an. Und dabei wäre es eigentlich ganz toll, wenn das Leben nur kompliziert wäre…

Um das zu verstehen, betrachten wir die Stacy Matrix, die, benannt nach ihrem Entwickler Prof. Ralph Douglas Stacy, ein Werkzeug für die Entscheidungsfindung eines Projektmanagementsystems darstellt. In der Softwareentwicklung wird die Stacy Matrix gerne mit folgenden Dimensionen benutzt und dargestellt.

Auf der Y-Achse liegen die Anforderungen (engl. Requirements) oder auch „Was soll erreicht werden?„.

Auf der X-Achse die Programmiersprache, Anwendung (zusammengefasst engl. Technology) oder auch „Wie soll es erreicht werden?„.

Beide Achsen nutzen die Dimensionen bekannt (engl. known) bis unbekannt(engl. unknown) oder klar bis unklar.

Innerhalb der Matrix ergeben sich vier Bereiche:

  1. Unten links: Einfach
  2. Mitte unten links: Kompliziert
  3. Mitte oben rechts: Komplex
  4. Oben rechts: Chaos

Quadrant 1 – Einfach

Es ist vollständig bekannt was mit dem Projekt erreicht werden soll und ebenfalls wie es erreicht wird. Es gibt reproduzierbare Muster und eindeutige, vorhersagbare Ereignisse. Alles geschieht in klaren Beziehungen, Ursachen und Wirkungen zueinander. Auf alle Fragen gibt es richtige Antworten. Im Normalfall bedarf es für diese Fälle keines Projektmanagements. Eine Checkliste oder Prozessbeschreibung genügt vollkommen. Solche Aufgaben sind für Digitalisierung prädestiniert, da jeder Schritt in dem Prozess programmierbar ist.

Kurzfassung der Vorgehensweise: If-This-Than-That.

Quadrant 2 – Kompliziert.

Kompliziert wird eine Situation, wenn entweder beim Weg oder der Anforderung eine gewisse Unklarheit besteht. Das System ist zwar vorhersehbar, d.h. Ursachen und deren Wirkung sind vorhanden, aber nicht für Jedermann ersichtlich. Es werden Experten benötigt, da es mehr als eine richtige Antwort oder mehr als eine Lösung gibt. Eine Analogie ist eine mechanische Uhr mit ewigem Kalender. Der Mechanismus dahinter bleibt für die Meisten von uns unverständlich und grenzt an Magie, ein Experte könnte aber ein, wenn auch hochkompliziertes, Regelwerk dafür erschaffen.

Oftmals kommt es bei der Frage nach dem Ziel des Projekts zu „politischen Entscheidungen“, die Verhandlungen und Kompromisse einschließen.

Bei Unklarheiten über den Weg zum Ziel, werden Experten zu Rate gezogen, die, anhand von Alternativen oder „Good Practices“, Lösungswege vorgeschlagen. Sind diese Unklarheiten aufgelöst, kann die Umsetzung starten.

Kurzfassung der Vorgehensweise: Analyse, Planung, Umsetzung.

Quadrant 3 – Komplex

Ist der Weg zum Ziel oder auch die Anforderungen an das Produkt nicht klar, weil sich die Anforderungen im stetigen Wandel befinden, befindet sich das Projekt im komplexen Umfeld. Da sich in solchen Projekten alles im Fluss befindet, sind auch im Vorfeld keine „richtigen“ Antworten auf die aufkommenden Fragen vorhanden. Es gibt viele Unbekannte. Somit ist es auch nicht möglich – ohne eine wirklich gute Kristallkugel – einen Ablauf des Projekts allumfassend zu planen. Um das Projekt und die vielen konkurrierenden Ideen erfolgreich abzuschließen, bedarf es kreativer und innovativer Ansätze. Wege müssen ausprobiert werden und iterativ auf das gewünschte Ergebnis hin verbessert werden.

Kurzfassung der Vorgehensweise: Probieren, Erkennen, Reagieren.

Quadrant 4 – Chaos

Sind sowohl der Weg als auch das Ziel völlig unbekannt befinden wir uns in einer chaotischen Situation. Es gibt keinerlei Ursache-Wirkungsbeziehung, große Unbekannte, das Arbeiten ist dementsprechend turbulent und es werden viele Entscheidungen unter hohem Zeitdruck getroffen. Um dem Chaos zu entkommen, bedarf es Handlungen, die das „Was“ oder „Wie“ klären. Damit rückt die Situation dann wieder in Richtung Komplexität.

Kurzfassung der Vorgehensweise: Handlung, Reaktion, Handlung. 

Im Businesskontext betrachtet

Wenn wir die vier Quadranten aus einer Business- oder Projektmanagementsicht betrachten, kann man folgende Daumenregel anwenden.

Einfache Projekte kommen, sauber dokumentiert, mit einer Prozessbeschreibung und evtl. unterstützt von Software, ohne Projektleitung aus. Komplizierte Projekte können mit klassischem Projektmanagement und Wasserfallmethode gemanaged werden. Je mehr Unklarheit und Unsicherheit durch Volatilität und Change in das Projekt Einzug hält, um so mehr bedarf es agilen Herangehensweisen. Chaotische Situationen können gut mit agilen Rahmenwerken aufgefangen werden. Anschliessend können sich die Teams wieder auf ihre Aufgaben konzentrieren und wertschöpfende Arbeit leisten.

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